Im Frühjahr 2007 gründete die Agenturgruppe Scholz & Friends eine eigene Nachhaltigkeitsberatung. CSR entwickelte sich zum Managementthema mit Langzeitperspektive, Antworten und Lösungen wurden gebraucht. Über die Anfänge von Scholz & Friends Reputation sowie über aktuelle Veränderungen im Zuge der CSR-Berichtspflicht sprachen die Geschäftsleiter Christiane Stöhr und Dr. Norbert Taubken im Interview mit dem CSR Magazin:

Sie sind vor zehn Jahren angetreten, um innerhalb der Agenturgruppe spezielles Know-how für ein aufstrebendes Thema anzubieten. Wie hat sich CSR entwickelt?

Taubken: Die Auseinandersetzung mit Unternehmensverantwortung und dem Verhältnis von Unternehmen zur Gesellschaft hat in den vergangenen zehn Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Das spiegelt sich auch in unserer Arbeit wider. In den ersten Jahren ging es vor allem um die Ausgestaltung dieser Verantwortung und darum, sinnvolle Ansätze für gesellschaftliches Engagement zu finden. Wenn wir heute über CSR nachdenken, stellen wir fest, dass sich das Thema komplett verschoben hat. CSR hat sich zum Querschnittsthema in den Unternehmen entwickelt, betrifft heute das Umweltmanagement genauso wie das Risikomanagement, Public Affairs oder Investor Relations. Insofern hat sich die Relevanz erhöht, aber auch die inhaltliche Ausgestaltung hat sich weiterentwickelt.

Scholz & Friends ist ja in erster Linie eine Kommunikationsagentur. Kann Werbung heute ohne Blick auf CSR und Nachhaltigkeit funktionieren?

Stöhr: Natürlich kann sie das. Ich würde es auch eher andersherum formulieren. Wenn das Marketing seine originären Aufgaben seriös und kreativ bearbeitet, dann entstehen verantwortungsvolle Lösungen. In der Praxis können deutliche Synergien zwischen den Kompetenzfeldern entstehen: CSR trägt dazu bei, neue Themen für die Kommunikation zu setzen oder Aussagen in Werbung und Marketing zu fundieren.

Ist CSR in der öffentlichen Wahrnehmung auf die Konzerne beschränkt?

Taubken: Bis vor wenigen Jahren war CSR tatsächlich ein Konzernthema. Das ist es inzwischen nicht mehr. Unter anderem durch die CSR-Berichtspflicht wurde das Blickfeld erweitert. Heute beschäftigen sich immer mehr Unternehmen mit ihrer Verantwortung. Im Mittelstand wurde CSR lange nicht so strategisch gedacht wie in den Konzernen, die Motivation war eher eine intrinsische, aber verantwortliches Handeln fand statt, wurde nur nicht CSR genannt. Das hat sich geändert, deshalb erleben wir momentan einen regelrechten Hype um CSR.

Sie sprechen die CSR-Berichtspflicht an. In den vergangenen Jahren haben sich die regulatorischen Anforderungen an Unternehmen verschärft. Wie viel Regelung braucht CSR?

Taubken: CSR ist in vielen Bereichen bereits reguliert, denken sie nur an die Umweltgesetzgebung. Momentan erreichen wir durch die Berichtspflicht aber eine neue Dimension der Regulierung und die hat durchaus auch Vorteile. Wir haben ein Level-playing-Field bekommen. Unternehmen die sich schon lange intensiv mit CSR beschäftigen, profitieren nun. Zudem wird CSR in den Unternehmen verstärkt abteilungsübergreifend wahrgenommen und erhält dadurch eine deutlich größere Aufmerksamkeit – bis hin zum Aufsichtsrat. Allerdings hat Regulierung auch eine Kehrseite: Denn Unternehmen sollten auch die Freiheit haben, eigene CSR-Akzente setzen zu können. Verantwortungsübernahme darf nicht zur Regelerfüllung werden.

Das vollständige Interview ist im CSR Magazin 03/2017 erschienen. Sie finden es hier zum Download.