Die integrierte Berichterstattung verknüpft Informationen über die finanziellen und nicht-finanziellen Leistungen eines Unternehmens miteinander und stellt die langfristige Wertschöpfung in den Mittelpunkt. Dieser Ansatz gewinnt immer mehr an Bedeutung und schon seit einigen Jahren verwischen die Grenzen zunehmend: Geschäftsberichte räumen den Themen Nachhaltigkeit und Verantwortung immer mehr Platz ein, Nachhaltigkeitsberichte stellen die Verzahnung der Nachhaltigkeits- mit der Unternehmensstrategie immer stärker in den Mittelpunkt. Die Zusammenlegung beider Berichtsformate stellt daher den logischen nächsten Schritt dar. Auch von Investoren wird die Darstellung der langfristigen Wertschöpfung immer häufiger angefragt. Doch wie wird aus Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht ein überzeugender Gesamtbericht? Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten zur integrierten Berichterstattung zusammengetragen.

Leitlinien für eine integrierte Berichterstattung

Das 2010 gegründete International Integrated Reporting Committee (IIRC) hat durch die Veröffentlichung eines Rahmenwerkes im Dezember 2013 erste Leitlinien für eine integrierte Berichterstattung geschaffen. Laut IIRC soll die integrierte Berichterstattung die gesamte Bandbreite an Faktoren kommunizieren, die einen positiven als auch negativen Einfluss auf ein Unternehmen, dessen wichtigste Stakeholder und auch insgesamt auf die Gesellschaft nehmen können.

IIRC erreichte ein „Memorandum of Understanding“ mit wichtigen Standardorganisationen aus den Bereichen der Finanzberichterstattung (IASB), Nachhaltigkeitsberichterstattung (GRI) und der Wirtschaftsprüfung (IFAC). Gemeinsam unterstreichen die Partner die Relevanz integriert kommunizierter Informationen.

Sieben Qualitätskriterien für integrierte Berichterstattung

Neben der Darstellung positiver wie negativer externer Einflussfaktoren auf das Unternehmen gibt es laut IIRC weitere relevante Kriterien, die ein integrierter Reporting-Ansatz erfüllen sollte.

  1. Strategische Ausrichtung und Zukunftsorientierung: Das Unternehmen zeigt auf, wie es nachhaltig Werte schafft und erhält. Der Fokus liegt auf Langfristigkeit mit Darstellung kurz-, mittel- und langfristiger Ziele.
  2. Konnektivität: Es wird aufgezeigt, wie verschiedene Komponenten des Geschäftsmodells mit externen Faktoren verknüpft sind, die Auswirkungen auf das Unternehmen haben.
  3. Stakeholder-Beziehungen: Der Bericht stellt dar, wie und in welchem Maß das Unternehmen die Bedürfnisse seiner Stakeholder berücksichtigt.
  4. Materialität: Fokussierung auf Themen, die für das Unternehmen wesentlich sind.
  5. Prägnanz: Nachvollziehbare Struktur des Berichts, Vermeidung von Wiederholungen.
  6. Verlässlichkeit und Vollständigkeit: Ausgeglichene Darstellung negativer und positiver Faktoren, Berichterstattung orientiert sich an den in vorherigen Berichten kommunizierten Zielen.
  7. Konsistenz und Vergleichbarkeit: Die Berichterstattung knüpft an vorherige Berichte an, das Konzept wird zudem in nachfolgenden Berichten weiterentwickelt.

Herausforderung: Relevante Informationen intelligent verknüpfen

Für die integrierte Berichterstattung ist es besonders wichtig, alle für das individuelle Geschäftsmodell relevanten Themen intelligent und nachvollziehbar zu verknüpfen. Je nach strategischer Relevanz und Verortung in der Wertschöpfung werden die Finanzinhalte und CR-Informationen zusammengeführt. Wesentlichkeit und Verhältnismäßigkeit dienen dabei als Richtschnur.

Integrierte Berichterstattung erfordert die Identifikation wesentlicher Themen

Quelle Grafik: Scholz & Friends Reputation

Status quo der integrierten Berichterstattung

Die ersten Unternehmen haben begonnen, ihre Berichterstattung zu integrieren. Weltweit wurden bisher etwa 200 integrierte Berichte veröffentlicht. In Deutschland ist die Anzahl integrierter Berichte noch sehr überschaubar. Es herrscht eher Unsicherheit, wie Pflichtbestandteile und freiwillige Inhalte sinnvoll und unter Berücksichtigung der juristischen Rahmenbedingungen integriert werden können.

Der Weg hin zu einer integrierten Berichterstattung ist mitunter, je nach Ausgangslage des Unternehmens, gezeichnet von einem komplexen internen Strategieprozess. Eine umfassende Chancen- und Risikoanalyse sowie eine Impact- Analyse der wesentlichen Themen bilden das Fundament des integrierten Reporting-Ansatzes. Unternehmerische Verantwortung als Teil der Unternehmens-DNA muss zudem gelebte Praxis werden, sichtbar getragen und vorgelebt gerade vom C-Level. Über neu ausgerichtete Geschäfts- und Steuerungsmodelle gelangen Unternehmen zu einer ganzheitlicheren Unternehmensführung. Ein Silo-Denken steht diesem integrierten Ansatz entgegen.

Die Fokussierung weg von der Relevanz für das eigene Unternehmen hin zu einer Analyse der externe Auswirkungen des Unternehmenshandelns wird derzeit sowohl von regulatorischen Anforderungen als auch von Rahmenwerken wie GRI oder den Sustainable Development Goals (SDGs) stark in den Mittelpunkt gestellt. Eine Analyse der Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ist dafür die zentrale Voraussetzung.

Erstes Fazit zur integrierten Berichterstattung: Größere Anfangsinvestitionen, aber ein lohnender Schritt hin zu einer impact-orientierten Berichterstattung.

Ein Beitrag von Thomas Sommereisen und Viola Raddatz.